„Abruf-Arbeit“ – „Sozialversicherungsfalle“ bei Minijobbern

Oftmals werden Minijobs als sog. „Abruf-Arbeit“ ausgeführt. Viele Arbeitgeber nützen dieses Modell, um so flexibel auf einen den spontanen Arbeitsanfall reagieren zu können. In der Praxis wird das Modell in Gastronomie, bei Veranstaltern oder im Handel gern genutzt.

1. Definition: „Abruf-Arbeit“

Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat.

2. Neuregelung

Wird eine Vereinbarung für Abruf-Arbeit geschlossen haben, so müssen gesetzlich festgelegte Vorgaben zur Dauer der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit beachtet werden.

Wird die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt, gilt zum Schutz der Arbeitnehmer eine Arbeitszeit von 20 Stunden pro Woche als vereinbart. Diese Regelung ist nicht neu. Die Grenze wurde aber zum 01.01.2019 durch den Gesetzgeber angehoben. Zuvor lag sie bei 10 Stunden.

3. Auswirkungen auf Minijobs

Wird keine konkrete Arbeitszeit vereinbart, hat dies Auswirkungen auf die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung.

Da in diesen Fällen eine Arbeitszeit von 20 Stunden pro Woche gilt, ergibt sich schnell ein durchschnittlicher Monatsverdienst von mehr als 450 Euro. Es liegt somit kein 450-Euro-Minijob mehr vor. Dies gilt selbst dann, wenn nur der Mindestlohn in Höhe von 9,19 Euro pro Stunde gezahlt wird.

  • 2018 galt ein Mindestlohn von 8,84 EUR. Bei 4,33 Wochen/Monat (52 Wochen/12 Monate) ergab das bei einer 10-Stunden-Woche 382,77 EUR/Monat

  • 2019 gilt ein Mindestlohn von 9,19 EUR. Bei 4,33 Wochen/Monat ergibt das bei einer 20-Stunden-Woche 796,47 EUR/Monat.

Es drohen daher sowohl Lohnnachforderungen durch den Arbeitnehmer (sog. „Phantomlohn“), als auch Nachzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen. Letzteres bis zu vier Jahre rückwirkend (beginnend ab 2019).


Wenn die „Abrufarbeit“ ein Minijob bleiben soll, so müssen Arbeitgeber mit dem Minijobber die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit festlegen. Wie eine rechtssichere „Abruf“-Vereinbarung aussehen muss, kann beispielsweise bei unseren Anwälten innerhalb unserer Firmengruppe in Erfahrung gebracht werden.


 

Montag, 01. Juli 2019
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